Ich will 120 werden | arte Re:

  • 27. Februar 2026
  • Verfasst von: Reportage: Dominic Egizzi | Redaktion: Miriam Carbe | #artedoku
  • Medientipps

🎬 Medientipp: arte Re: Doku – Ich will 120 werden

Zwischen Prävention, Selbstoptimierung und der Sehnsucht nach Kontrolle

Wie weit sind Menschen bereit zu gehen, um länger und möglichst gesund zu leben?

Die arte Re: Doku „Ich will 120 werden“ begleitet Protagonist:innen, die das Altern nicht einfach akzeptieren wollen. Von Kältekammern bei minus 110 Grad über experimentelle Hormontherapien bis hin zu minutiös gesteuerten Ernährungs- und Trainingsprogrammen zeigt der Film einen Ausschnitt der Spannbreite dessen, was heute unter dem Begriff „Longevity“ verhandelt wird.

Im Zentrum stehen sehr unterschiedliche Motive: der Wunsch nach biologischer Verjüngung, die Angst vor Krankheit – aber auch die Überzeugung, dass ein längeres gesundes Leben gesellschaftlichen Mehrwert schaffen kann. Zugleich wird deutlich, wie eng Hoffnung, wissenschaftliche Evidenz, unternehmerische Interessen und persönliche Risikobereitschaft miteinander verwoben sind.

Die Dokumentation liefert keine einfachen Antworten. Sie öffnet vielmehr den Raum für eine zentrale Frage:

Wo endet seriöse Prävention und wo beginnt spekulative Selbstoptimierung?

Zur Doku – https://www.arte.tv/de/videos/117241-015-A/re-ich-will-120-werden/

Was zeigt die arte Re: Dokumentation konkret?

Der Film begleitet Menschen, die ihre Lebensspanne deutlich verlängern möchten, teilweise mit dem erklärten Ziel, 120 Jahre oder älter zu werden. Er dokumentiert persönliche Transformationsgeschichten, medizinisch begleitete Experimente, biohacking-orientierte Selbstoptimierungsstrategien sowie das rasante Wachstum einer internationalen Longevity-Industrie.

Dabei wird sichtbar:

    •    wie stark individuelle Lebensziele mit medizinischen Interventionen verknüpft werden,

    •    wie wirtschaftliche Interessen und Gesundheitsversprechen ineinandergreifen,

    •    und wie unterschiedlich die Risikobereitschaft der Beteiligten ist.

Longevity erscheint hier nicht als klar definiertes Konzept, sondern als Projektionsfläche zwischen Wissenschaft, Hoffnung und Markt.


Welche Methoden werden vorgestellt?

Die Dokumentation zeigt eine Bandbreite an Maßnahmen – von klassischer Prävention bis zu experimentellen Verfahren:

    •    Kältekammer-Anwendungen bei bis zu minus 110 Grad

    •    die sogenannte TRIIM-Methode mit Wachstumshormonen zur Aktivierung der Thymusdrüse

    •    regelmäßige Blutanalysen und Biomarker-Kontrollen

    •    streng kontrollierte Ernährungs- und Trainingsprogramme

    •    kontinuierliches Blutzucker-Monitoring

    •    Nahrungsergänzungsmittel und antioxidative Präparate

    •    Behandlungen in spezialisierten Longevity-Kliniken

Die dargestellten Ansätze reichen damit von etablierten gesundheitsfördernden Lebensstilmaßnahmen bis hin zu Interventionen, deren Langzeitwirkung noch nicht abschließend geklärt ist. Gerade diese Spannweite macht die Dokumentation relevant und diskussionswürdig.


Wie belastbar ist die wissenschaftliche Evidenz?

Die wissenschaftliche Evidenz variiert je nach Methode stark

Gut belegt sind die grundlegenden Säulen der Prävention:

    •    regelmäßige Bewegung

    •    stabile metabolische Gesundheit

    •    ausreichend Schlaf

    •    Stressregulation

    •    soziale Einbindung

Hier besteht eine breite Datenlage aus epidemiologischen und interventionellen Studien. Diese Faktoren gelten als zentrale Treiber einer längeren gesunden Lebensspanne (Healthspan).

Deutlich differenzierter ist die Lage bei experimentellen Ansätzen:

    •    Für hormonelle Interventionen zur Thymus-Reaktivierung die sog. TRIIM-Methode existieren bislang nur kleine Pilotstudien.

    •    Langfristige Sicherheits- und Wirksamkeitsnachweise fehlen weitgehend.

    •    Potenzielle Risiken: etwa eine mögliche Förderung von Tumorwachstum durch Wachstumshormone, werden in der Fachwelt kritisch diskutiert.

Aus Sicht einer evidenzbasierten Gesundheitsprävention gilt daher:

Nicht jede als „Longevity“ bezeichnete Maßnahme ist wissenschaftlich gleich gut abgesichert.

Zwischen gut untersuchten Lebensstilinterventionen und spekulativen Verjüngungstechnologien besteht ein deutlicher Unterschied, auch wenn sie im öffentlichen Diskurs oft vermischt werden.


Warum ist die arte Re: Doku relevant

„Ich will 120 werden“ zeigt weniger eine Anleitung zur Lebensverlängerung als vielmehr ein Zeitdokument. Es verdeutlicht:

    •        wie stark das Thema gesundes Altern emotionalisiert,

    •        wie schnell sich Märkte um neue Gesundheitsversprechen bilden,

    •        und wie wichtig eine differenzierte Einordnung bleibt.

Für die Deutsche Longevity Gesellschaft e.V. steht dabei nicht die Maximierung von Lebensjahren im Vordergrund, sondern die Verlängerung der gesunden Lebensspanne auf Basis evidenzorientierter Prävention.

Longevity bedeutet aus dieser Perspektive nicht Unsterblichkeit, sondern Verantwortung für Gesundheit im Rahmen wissenschaftlich plausibler und sicherer Maßnahmen.

Im Sinne unseres Anspruchs: Bewusst. Gesund. Leben.

Zur Doku – https://www.arte.tv/de/videos/117241-015-A/re-ich-will-120-werden/

Weitere Longevity Artikel
Podcast-Tipp: Was Superfoods & Co. können

Superfoods sind mehr als nur ein Trend – sie können echte Verbündete für ein langes, gesundes Leben sein. In der Podcast-Folge „Gesunde Ernährung: Was Superfoods & Co. können“ verrät Diplom-Ökotrophologin Birgit Menschel, wie Nährstoffe und Antioxidantien Körper und Geist stärken. Ein inspirierender Tipp für alle, die Ernährung bewusst als Schlüssel zur Longevity nutzen möchten.

Podcast: Mental Wellness – Impulse für ein leichtes Leben

Mentales Wohlbefinden ist weit mehr als gute Laune – es ist ein zentraler Faktor für ein langes, gesundes Leben. Wer aktiv auf seine mentale Gesundheit achtet, reduziert chronischen Stress, stärkt den Körper und trifft gesündere Entscheidungen. Entdecken Sie, wie Mental Wellness Ihre Lebensqualität und Longevity positiv beeinflusst.